|
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts kam es zum wirtschaftlichen und politischen Aufschwung in der europäischen Kernregion zwischen Loire und Rhein.

Damit einher ging eine gesteigerte Bautätigkeit in den städtischen Ballungszentren. In der Architektur fand die gewachsene Macht besonderen Ausdruck. Die Gebäude wurden prächtiger, leichter und filigraner.
An die Stelle massiver romanischer Bauten trat der gotische Gliederbau, der seine Bauanatomie zur Schau stellt. In die von ihrer tragenden Funktion weitgehend befreiten Wandflächen konnten große Fenster eingelassen werden, die die Räume mit Licht erfüllten.

Den Druck der Gewölbe nahmen nun die zu Tragekonstruktionen umgestalteten Rippen auf und leiteten ihn auf die Dienste im Inneren des Gebäudes und die außen angebrachten Strebepfeiler ab.
So war es möglich, auch rechteckige Räume mit Gewölben zu überspannen. Zuvor konnte nur über quadratischen Flächen gewölbt werden. Auch der Zisterzienserorden übernahm den neuen Baustil. Entstanden die Bauwerke zunächst noch in einer Symbiose von Romanik und Gotik, so dominierte letztere bald.

Das Bauideal des Ordens jedoch blieb die Grundlage zisterzienserischen Bauens. Im Unterschied zu anderen sakralen Bauwerken der Gotik sind Zisterzienserklöster sehr schlicht gehalten. Sie wurden über einfachen, kopierbaren Grundrissen errichtet.
Weit ausladende Strebesysteme mit Pfeilern und Bögen als äußeres Zeichen für prächtige hohe
|
Gewölbe vermieden die Mönche nach Möglichkeit.
Wie die gesamte Klosteranlage, so galt den Brüdern auch die Kirche als Zweckbau.
 
Sie sollte leicht überschaubar, logisch gegliedert und mit verhaltenem Schmuck versehen sein. Die Innenräume wurden einfach gehalten, aber meisterlich ausgeführt - so entstand die klare, karge, bereinigte Gotik der
Zisterzienser.
Mit der Ausbreitung des Ordens nach Osten gelangte die Gotik in die
entlegendsten Winkel Europas.

In den Bauten verbanden die Mönche ihre Kenntnisse und Erfahrungen mit dem gotischen Baustil immer mit lokalen Traditionen. So entstanden Klöster, die sich gut in die regionaltypische Architektur einfügten.
In herausragender Weise zeigt sich in Chorin die Verbindung von zisterzienserischen Baugedanken und Gotik. Die Kirche verfügt über einen kreuzförmigen Grundriss mit niedrigeren Seitenschiffen und Obergaden ohne Triforium. Strebebögen finden sich außen nicht. Sie liegen versteckt unter den Dächern der Seitenschiffe.

Von außen betrachtet bietet das offene Polygon im Osten der Kirche einen Blickfang. Die gotischen Schmuckelemente der Hau-Stein-Technik wurden in Chorin in Backstein ausgeführt. Die Eigenschaften des Tons aber verlangten Beschränkung und Vereinfachung plastischer Details, was dem Baugedanken der Zisterzienser entgegenkam.
|